Golf - Superfit

Golf - Superfit am grünen Rasen (Medizin Populär 2004)

Fit durch Bewegung

Prim. Dr. Werner Anderl räumt mit Vorurteilen auf

Prim. Dr. Werner Anderl, Chef der Orthopädie im Spital der Barmherzigen Schwestern in Wien und selbst begeisterter Golfer, räumt mit Vorurteilen auf: „Viele denken ja, dass sie das ,ein bisserl den Ball schlagen‘ locker schaffen, aber das ist ein Irrtum: Man muss körperlich fit sein, um die Belastung des Golfspielens auszuhalten.“ Tatsächlich sind die physischen Leistungen bei einer vier Stunden dauernden 18-Loch-Runde respektabel: Der Spieler verbraucht dabei im Durchschnitt an die 1.200 Kalorien. Das ist erstaunlich viel, denn bei zwei Stunden Tennis, die einen ganz schön ausser Atem bringen, sind es nur 960 und bei einer Stunde Joggen, die auch anstrengend ist,
nur rund 700 Kalorien.

Der Golfer legt bei einer vollständigen Runde je nach Struktur des Platzes zwischen acht und zehn Kilometer zurück und bringt dabei den Kreislauf auf Touren, die Pulsfrequenz kann Spitzenwerte bis zu 150 Schläge pro Minute erreichen. Beim Golfschwung werden mehr als 100 Muskeln aktiviert, die Summe der körperlichen Belastungen bewirkt, dass der Cholesterinspiegel am Ende des Kurses um durchschnittlich 15 Prozent niedriger ist als vorher, die Spieler nehmen dabei bis zu einem Kilogramm ab. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Leistungsfähigkeit von Golfspielern um etwa 20 Prozent höher ist als jene von untrainierten Menschen. Allerdings erzielt man die positiven Effekte nur dann, wenn man beim Golfspiel keine Fehler macht. Die aber kommen immer wieder vor.

Golf gelenkschonend spielen

Faszination in grün

Und zwar paradoxerweise deshalb, weil Golf ungeheuer faszinierend ist.

„Golf ist eine Leidenschaft, die den ganzen Menschen erfasst,“ meint Cornelia Hanke, Clubmanagerin im 1996 von Frank Stronach errichteten Golfclub Fontana in Oberwaltersdorf, der von einer Jury sechsmal hintereinander zum schönsten Golfplatz Österreichs gekürt wurde. „Wer einmal damit angefangen hat, möchte am liebsten überhaupt nur noch Golf spielen.“

Prim. Anderl ergänzt aus eigener Erfahrung: „Wenn einen die Faszination dieses Sports packt und man womöglich ohnedies einen gewissen Hang dazu hat, alles möglichst perfekt zu machen, dann beginnt man zu kämpfen, denn beim Golf ist es nicht einfach, perfekt zu sein, da gewinnt immer der Ball ...“

Dieses Kämpfen führt dazu, dass sich Spieler verkrampfen und mit einem immensen Kraftaufwand auf den Ball eindreschen, vor allem am Ende einer Partie, wenn die Konzentration nachlässt. Das aber ist genau das Falsche und führt zu Verletzungen, wenn man im Übereifer den Ball verfehlt und in den Boden schlägt: Schläger und Handgelenk werden dabei blitzartig von 170 auf 0 Stundenkilometer abgebremst, das schädigt die Gelenke massiv. Die häufigste Folge sind Verletzungen der Rotatorenmanschette in der Schulter, an der die Sehnen befestigt sind und die oft bereits altersbedingt verletzungsanfällig ist.

Insgesamt sind vier Sehnen an einem Golfschwung beteiligt, beim kräftigen Schlag in die Erde reissen eine oder mehrere ab. Diese Schäden werden aber oft nicht richtig erkannt. „Der Spieler klagt über Beschwerden und erhält eine Kortisonspritze, dann geht es ihm besser und er spielt wieder. Das Drama ist, dass dabei nur der Schmerz beseitigt wird, aber nicht der Schaden an sich, die Sehne reisst immer etwas weiter ab.” Dr. Werner Anderl Durch Schläge in die Erde werden zusätzlich die Rippenwirbelgelenke stark belastet, auch in diesem Bereich klagen Golfspieler oft über Schmerzen.

Verletzungen beim Golf durch falsche Schlagtechnik

Falsche Schlagtechnik

Als Orthopäde macht Dr. Anderl auf einen weiteren häufigen Fehler aufmerksam:

„Viele Golfspieler machen den Schlag auf den Ball nur mit den Armen, nicht mit dem ganzen Oberkörper. Dadurch wirken atypische Torsionsmomente – also spezifische Belastungen durch die Drehung – auf die Wirbelgelenke ein, das tut weh. Das ist ein ganz typischer Anfängerfehler, deshalb klagen fast alle Neo-Golfspieler über Schmerzen in der mittleren Brustwirbelsäule. Das ist verständlich, denn bei dieser Fehlbelastung kommt es leicht zu Muskelfasereinrissen.“ In jedem Fall muss man bei diesen Schmerzen zum Arzt, der verschiedene Therapien vorschlagen kann.

Prim Anderl: „Bei Wirbelsäulenbeschwerden sollte man sich einem auf die Wirbelsäule spezialisierten Physiotherapeuten oder Osteopathen anvertrauen, der den Patienten betreut und ihn auch anleitet, selbst aktiv zu werden. Das ist wichtig, weil abgenützte Gelenke oft durch Bewegung wieder intakt werden, gerade auch bei Golfspielern, die Verletzungen von anderen Sportarten mit sich herumschleppen, die sie früher betrieben haben. Bei vielen unserer Patienten reicht die Physiotherapie, um die Schäden zu beseitigen.“

Behandlungsmethoden...

wenn Schmerzen durch falsche Schlagtechnik auftreten

diffuse Schmerzen durch Bizepssehnenverletzungen und Instabilitäten

Infiltrationen oder Akupunktur sowie Medikamente sind weitere Möglichkeiten der Behandlung und als letzter Ausweg kann natürlich auch eine Operation notwendig sein. Dabei bewährt sich eine von Dr. Anderl in Wien eingeführte Methode, die sich sowohl für Untersuchungen als auch für Operationen eignet.

Der Eingriff erfolgt dabei mit einem Arthroskop, das ist ein System von optischen Linsen, einer Lichtquelle und einer Spül- und Absaugvorrichtung. Ausserdem verfügt das Gerät über Kanäle, durch die chirurgische Instrumente für kleine Eingriffe eingeführt werden können. Der Arzt sieht also in den Körper des Patienten hinein, kann präzise feststellen, welche Schäden vorliegen und sie in einem Arbeitsgang operativ beseitigen. Diese Operationsmethode findet international immer mehr Beachtung, erst kürzlich wurde eine Operation im Spital der Barmherzigen Schwestern live nach Boston in den USA übertragen.

Dr. Anderl: „Wir machen diese Eingriffe bei Golfspielern, weil die häufig über diffuse Schmerzen klagen, die von Bizepssehnenverletzungen und Instabilitäten herrühren, aber nur durch eine Arthroskopie abgeklärt werden können, nicht durch Röntgen und auch nicht mit Magnetresonanz. Die Belastung für die Patienten ist geringfügig, sie können noch am Tag des Eingriffes nach Hause gehen und haben nach ein paar Wochen wieder die Funktionsfähigkeit der Schulter zurückgewonnen, was bei konventionellen Operationen oft erst nach einem halben Jahr der Fall ist.“ Beim Stehen, beim Ausholen und beim Abschlag ist eine stabilisierende Körperhaltung wichtig, die bereits bei den Fußsohlen beginnt. Bei Fehlern kommt es unter Umständen zu bösen Verletzungen, vor allem im Bereich der Schultern.

Golfen ohne Schmerzen

Wie man es richtig macht

Tipps vom Spezialisten

So beruhigend es ist, dass Golfspieler im Fall des Falles mit optimaler ärztlicher Betreuung rechnen können – besser ist es natürlich, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen.

Was also soll man tun, Herr Primar, um Golfverletzungen zu vermeiden?

„Wenn jemand mit dem Golfspiel beginnt, soll er seinen Bewegungsapparat radiologisch und klinisch durchchecken lassen, um festzustellen, ob er für den Golfsport geeignet ist. Der Check beginnt bei der Diagnostik der grossen Gelenke Knie, Hüfte und Schulter und reicht bis zur exakten Wirbelsäulendiagnostik.“

Golfer haben ihre eigene Sprache

Hier einige der gebräuchlichsten Ausdrücke

Wir informieren Sie

ABSCHLAG

Der Ort, wo das zu spielende Loch beginnt, meistens eine erhöhte Rasenfläche. In der gängigen Golfsprache steht auch das Wort Tee für Abschlag

BUNKER

Mit Sand gefülltes Hindernis auf der Spielbahn, meist in Green- Nähe.

CADDIE

Ein Helfer, der das Bag – die Golftasche für alle Schläger, Bälle und sonstiges Zubehör – trägt und den Spieler bei der Auswahl der Schläger berät.

DRIVING RANGE

Übungsgelände auf dem Golfplatz.

EISEN

Alle Schläger, die kantige Metallköpfe haben. Die Schläger sind von 1 bis 9 nummeriert. Eisen 1 verwendet man für die weitesten, Eisen 9 für kürzere Schläge.

FAIRWAY

Spielbahn – meist 9 oder 18 Löcher pro Golfplatz.

GREEN

Kurzgeschorene Rasenfläche um das Loch, nur zum Putten, also zum Einlochen geeignet.

HANDICAP

Maßzahl für die Spielstärke eines Golfers. Ergibt sich aus der Anzahl der benötigten Schläge pro 18 Loch, abzüglich Platzstandard.

INSERTS

Weiche Einsätze auf einem besonderen Golfschläger, der nur auf dem Green verwendet wird.

KOMPRESSION

Die Härte des Golfballes.

LOCH

Das grose Ziel aller Golfer mit einem Durchmesser von 10,8 cm. Auch die gesamte Spielbahn wird als Loch bezeichnet.

OVERSIZE

Golfschläger mit einem extra grossen Schlagkopf, besonders für Anfänger gut geeignet.

PAR

Platzstandard – jeder Golfplatz erhält je nach Länge der Spielbahnen eine Vorgabe, mit wie vielen Schlägen er bewältigt werden soll.

PITCH

Hoher Annäherungsschlag auf das Green.

PLATZREIFE

Auch Platzerlaubnis genannt. Ein Anfänger muss praktische und theoretische Spielkenntnisse erwerben.

PRO

Abkürzung für Professionell – Golflehrer oder Golfspieler.

PUTTING GREEN

Übungsgrün mit mehreren Löchern zum Training.

ROUGH

Meist hohes Gras-Gelände außerhalb der Spielbahn.

SCORE

Gesamtzahl aller Schläge über 18 Löcher.

TROLLEY

Golfwagen, mit dem die Golftaschen über den Platz gezogen werden.

WEDGE

Schläger mit extrem geneigter Schlagfläche für hohe und kurze Flugbahnen.

Schäden am Bewegungsapparat

kein Ausschließungsgrund am Golfspiel

lassen Sie sich den Spaß nicht verderben

Übrigens sind Schäden am Bewegungsapparat kein Ausschließungsgrund für das Golfspiel. Es ist durchaus denkbar, dass jemand, der Abnützungen im Knie oder Hüftgelenk oder einen Meniskusschaden hat oder der bereits an den Bandscheiben operiert wurde, auf den Platz geht und spielt.

Die Patienten müssen sich aber vorher einer gezielten Physiotherapie oder Osteopathie unterziehen. Und ebenso selbstverständlich ist, dass das Training und die Schulung auf diese Schäden Rücksicht nehmen müssen. Vor allem ältere Golfspieler müssen Dehnungs- und Kräftigungsübungen machen, um ihre Rückenmuskulatur so weit zu stärken, dass sie diese Drehbewegungen aushält. Das alles muss vor dem eigentlichen Spiel passieren.

Und wie sieht es aus, wenn man sich auf dem Platz befindet?

stabilisierende Haltung von Nöten

auch das richtige Schuhwerk sollte nicht außer Acht gelassen werden

Dr. Anderl: „Beginnen wir beim Stand. In der Ansprechhaltung – so sagen wir dazu, wenn man sich in die Spielposition begibt –, muss der Golfspieler eine stabilisierende Haltung einnehmen. Stabilisierend heisst, dass der Spieler den Abstand vom Schläger zum Ball immer gleich halten muss, sowohl vor der Ausholbewegung als auch danach. Voraussetzung dafür ist gutes Schuhwerk. Wenn einer einen Hohlfuss oder einen Knick-Plattfuss hat, dann muss das ausgeglichen werden. Wir versorgen viele Patienten mit speziellen Sporteinlagen, damit sie ohne Beschwerden im Schuh stehen können. Ohne diese Einlagen klagen sie nach kurzer Zeit über brennende Schmerzen an der Fusssohle.“

Bei der stabilisierenden Haltung müssen die Knie in einer Beugehaltung mit etwa 30 Grad gehalten werden können, dazu muss die Muskulatur, vor allem der Quadrizeps und die Kniebeuger, kräftig genug sein und es muss eine ausreichende Balance zwischen den stabilisierenden Muskeln geben. Der Golfspieler muss die Wirbelsäule von der Lendenwirbelsäule bis zur Halswirbelsäule gestreckt halten. Diese Streckhaltung ist positiv, weil dadurch die Rückenmuskulatur aktiviert wird. Damit sind die wesentlichen Vorbereitungen für den Schlag erledigt, der mit dem ganzen Körper durchgeführt werden muss.

Beim Schwung des Abschlags rotiert die Schulter maximal, das heisst, dass Becken und die Beine stabil bleiben, während sich der Oberkörper bewegt. Dabei wird – wie bei einer Drahtfeder, die aufgezogen wird – eine hohe Spannung erzeugt und wenn man dann den Ball wegschlägt, geschieht dies mit der ganzen Energie, die in dieser Spannung steckt. So konzentriert man dabei ist: Man sollte zugleich auch möglichst entspannt und ausgeglichen sein, wenn man den Ball trifft. Wer sich an diese Regeln hält, gewinnt den vollen Golf- Genuss, den immer mehr Österreicherinnen und Österreicher schätzen: 60.000 sind es hierzulande und weltweit schon 50 Millionen!

Artikel

VON DR . KURT  MARKARITZER

MEDIZIN populär . 11/2004 67
Fotos: © Golfclub Fontana, John Fox
66 MEDIZIN populär . 11/2004

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