Der Mann des Fortschritts

GENIAL. Wien wird zum Zentrum der Spitzenorthopädie. Großen Anteil daran haben kreative und lösungsorientierte Mediziner wie Prim. Dr. Werner Anderl. Als Leiter der Orthopädie im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern sorgt sein innovatives Operationsverfahren jetzt für Furore.

Der Mann des Fortschritts (Ärzte Kurier März 2011)

Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Mit nahezu 1000 Eingriffen an der Schulter...

...ist unsere Abteilung eine der bedeutendsten in Österreich. Da hat man es zwangsweise mit der Implantation künstlicher Gelenke zu tun. Die Schulter-Endoprothetik hat sich zwar in den letzten 20 Jahren rasch weiterentwickelt, dennoch mussten bei Gelenksersatz-Operationen gesunde Muskeln und Sehnen durchtrennt werden. Die Verletzung gesunder Strukturen hat mich immer gestört. Da lag der Gedanke nahe, methodisch etwas zu ändern.

Wie funktioniert Ihre Entwicklung?

Anstatt den gesamten Oberarmkopf des Schultergelenks abzusägen, ...

...wird nur der beschädigte Knochenteil angetragen.

Und zwar mittels einer eigens angefertigten Fräse über eine nur schlüssellochgroße Öffnung. Ein minimal invasiver Ein- griff also, der das Knochenbett für die Implantation vorbereitet. Die Implantation selbst erfolgt dann über eine
kleine Hautinzision.

Vorteile dieser Methode

Was sind die Vorteile?

Wir erhalten Muskeln, Sehnen und den gesunden Knochenanteil.

Die OP hinterlässt nur kleine Schnitte und ist sehr schnell. Es bedeutet auch weniger Schmerzen und weniger Komplikationen. Die Patienten können den Arm unmittelbar nach dem Eingriff wieder vollständig bewegen und noch am selben Tag das Krankenhaus verlassen. Für unsere Methode spricht zudem, dass man Schulterschmerzen aus Angst vor einer Operation nicht mehr anstehen lassen muss und so mehr gesunde Knochenmasse erhalten werden kann.

Technische Umsetzung

Wie schwierig war es, einen Partner zu finden, der das technisch umsetzt?

Das war die Hauptschwierigkeit. Wir haben unser Projekt vor vier, fünf Jahren mit der größten amerikanischen Firma, der Nummer eins auf dem Gebiet, gestartet. Fünf Techniker waren bei der Umsetzung involviert. Beim letzten Orthopädenkongress in San Diego mit 25.000 Fachärzten aus aller Welt war unsere Errungenschaft der Renner. Für uns als kleine österreichische Abteilung ist das natürlich eine tolle Anerkennung.

Wirkung dieser Operation

Ist die neue OP ein Allheilmittel?

Nein. Wenn Sie ein komplett zerstörtes Schultergelenk haben, müssen Sie nach wie vor ein komplettes Gelenk einbauen. Aber für die breite Masse darunter die Vielzahl an Hobbytennisspielern und Konsorten, die mit begin- nenden Gelenksschäden kommen ist die minimal invasive Methode eine fantastische Möglichkeit Schmerzen zu nehmen und Gröberes hintanzuhalten.

Entwicklungen durch Prim. Dr. Anderl

War das Ihre erste „Erfindung“?

Nein. Im Team haben wir bereits eine Knieprothese entwickelt, die ebenfalls ein Hit ist. Dabei wird eine Computer- tomografie vom Kniegelenk gemacht und die Daten an eine Schweizer Firma übermittelt, die ein 3-D-Modell repro- duziert und präzise Schnittlehren errechnet. Für uns Chirurgen ist das eine irrsinnige Hilfe, weil dadurch die Bein- achse perfekt wird. Fehlpositionierungen und spätere Gelenksprobleme kann man damit endgültig ausschalten.

Inspiration

Woher rührt Ihr Erfindergeist?

Das wurde schon in meinem Elternhaus gefördert. Meine Geschwister und ich waren von klein auf praktisch orien- tiert. Das hat der Beruf unseres Elternhauses mit sich gebracht, die eine große Autowerkstatt hatten. Wir Buben waren deshalb immer interessiert daran, etwas zu reparieren. Das ist mir bis heute geblieben. Wenn man patienten- orientiert denkt, dann versucht man ständig Dinge zu verbessern und gewohnte Strukturen zu hinterfragen. Wenn wir in 20 Jahren wieder hier sitzen, wird sich auch Wesentliches verändert haben. Vielleicht gibt es dann gar keinen künstlichen Gelenksersatz mehr, sondern Gels, die Gelenke regenerieren, wer weiß. Heute aber sind wir überglücklich, dass wir relativ minimal-invasiv und präzise auf zwei großen Gelenken, nämlich Schulter und Knie, einen Beitrag leisten können.

Orthopäde und Golfer

Sie sind Orthopäde und Golfer. Wie passt denn das zusammen?

Die Schäden, die man sich beim Golfen zuziehen kann, sind tatsächlich vielschichtig. Um vorzubeugen, muss man in Wirklichkeit beinhart die Bauch- und Rückenmuskulatur trainieren. Für mich persönlich ist Golfen der optimale Ausgleichssport, vor allem weil man dabei aktiv unterwegs ist. Dieser Sport macht glücklich. Stundenlang am Strand liegen und nichts tun, das ist nichts für mich. Außerdem haben Golf und Medizin gewisse Parallelen. Da wie dort versucht man sich immer mehr zu steigern. Der Drang besser zu golfen, ist genauso faszinierend wie die Entwick- lung eines neuen Schultergelenks oder einer Operationsmethode.

Quelle

Ärzte Kurier 16.März.2011

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