Funktionelle Anatomie der Schulter
Schulteranatomie
Die besagten 5 Gelenken der Schulter sind
siehe Abb.1
- Das Glenohumeral Gelenk (GHG) zwischen Glenoid und Humeruskopf
- Das Acromioklavikular Gelenk (ACG) oder Schultereckgelenk
- Das Sternoklavikular Gelenk (SCG)
- Das "Subacromial Gelenk" (SAG = kein echtes Gelenk sondern der Gleitraum zwischen Schulterdach und Rotatorenmanschette)
- Das "Scapulothorakal Gelenk" (STG = ebenfalss kein echtes Gelenk sondern die Gleitschichte zwischen Scapula und Thoraxwand)
Bei jeder Bewegung der Schulter sind diese 5 Gelenke mehr oder weniger stark beteiligt.
Schmerzen im Schulterblatt und im Nacken vermeiden
durch gezielte manuelle Mobilisation des GHG
Wir beraten Sie hierzu
Wenn man die Beweglichkeit beurteilt, ist es wichtig zu bedenken, dass man es immer mit Summationsbewegungen zu tun hat. Bei der seitlichen Abduktion zum Beispiel, ist in der ersten Phase bis ca. 90° hauptsächlich das GHG aktiv. Bei weiterer Hebung kommt es vorwiegend zu einer Drehung der Scapula, also zu einer Bewegung im STG. Bei einseitiger Abduktion ist endlagig sogar die BWS in Form einer leichten Flexion zur Gegenseite mitbeteiligt. (Abb.2)
Das erklärt auch warum ein vollständig eingesteiftes GHG (zB bei Frozen shoulder) doch zum Teil noch über die Horizontalebene gehoben werden kann. Wenn Patienten ungezielt üben und ehrgeizig versuchen ihre Beweglichkeit zu verbessern, so vermehren sie oft nur die Mobilität der Scapula und das GHG bleibt so steif wie es ist. Es treten dann häufig Schmerzen in der Schulterblattmuskulatur und im Nacken als Folge der Überbelastung auf. Aufgabe der Physiotherapie ist es in diesem Fall, eine gezielte manuelle Mobilisation des GHG durchzuführen.
Passive Strukturen der Schulter
die Schulter ist kein muskulär stabilisiertes Gelenk
hier erfahren Sie mehr dazu
Die extreme Beweglichkeit der Schulter geht auf Kosten des knöchernen Stabilität. Einem sehr kleinen Glenoid steht eine fast 4x so grosse Humeruskopfoberfläche gegenüber. Trotzdem ist eine gesunde Schulter stabil und lässt sich auch in Narkose unter völliger Muskelentspannung nicht luxieren. Die Annahme dass die Schulter ein muskulär stabilisiertes Gelenk sei ist daher falsch. Vielmehr wird sie durch zahlreiche passive Strukturen stabil gehalten: Das Labrum glenoidale legt sich wie ein Ring um das Glenoid herum und vergrössert dessen Oberfläche. Ausserdem verstärkt es die Konkavität und vermehrt daher die Kontaktfläche zum Humeruskopf.
Die Gelenkskapsel mit den Ligamenta glenohumeralia erstreckt sich zwischen Collum anatomicum des Humeruskopfes und dem Pfannenrand. Da die Schultergelenkspfanne physiologischerweise ca 30° nach ventral gerichtet ist wird einer Gewalteinwirkung von dorsal nach vorne praktisch kein knöcherner Widerstand entgegengesetzt.
Die Hauptluxationsrichtung ist nach ventral - caudal. Die Glenohumeralen Bänder befinden sich daher allesamt ventral und kaudal. Das Corakohumerale Band zieht vom Processus corakoideus mit je einem Schenkel zum Tuberkulum majus und minus. Es spannt sich endlagig bei Ante- bzw Retroversion an und verhindert so das Anschlagen des Humerus am Acromion bzw am Ligamentum Corakoacromiale.
passive Strukturen...
...gewährleisten ein hohes Maß an Stabilität
siehe Kolbenmodell Abb. 3+4
Das sogenannte Kolbenmodell erklärt wie diese wenigen passiven Strukturen doch ein hohes Maß an Stabilität gewährleisten: Wenn man sich den Schultergelenkskopf als Kolben und den Glenoid - Labrum - Ligament - Kapsel Komplex als Zylinder vorstellt, so kommt es bei Zug am Kolben (= Humeruskopf) zu einem Unterdruck der umso grösser wird je mehr daran gezogen wird. Dieser Unterdruck hält das Gelenk stabil.
Die Sehnen der Rotatorenmanschette liegen der Kapsel eng an und sind (speziell im Supra und Infraspinatusbereich) in den letzten 1-2 cm so fest mit dieser verbunden, dass bei einer Sehnenruptur fast ausnahmslos die Kapsel mitreisst. Bei einer Rotatorenmanschettenruptur entsteht also fast immer eine direkte Verbindung zwischen Subacromialraum und GHG! Dies hat insofern Bedeutung als dadurch die Stabilität natürlich beinträchtigt wird, weil die "Zylinderwand" nicht mehr dicht ist.





